Gib dir Zeit! – Laura von Glutenplan über das Leben mit Zöliakie
von Jana

Navileo – Blogger-Interview mit Laura von glutenplan.de Wie bei so vielen war die... mehr
"Gib dir Zeit! – Laura von Glutenplan über das Leben mit Zöliakie"

Navileo – Blogger-Interview mit Laura von glutenplan.de

Wie bei so vielen war die Ernährungsumstellung nach der Diagnose Zöliakie auch für Laura nicht leicht. Gerade wenn sich die ganze Familie auf die neue Situation umstellen muss, ist die ein oder andere Panne vorprogrammiert. Auch das Essen außer Haus ist für Betroffene nicht immer ein Kinderspiel. Mittlerweile isst Laura schon seit 7 Jahren glutenfrei und freut sich über das wachsende Angebot an glutenfreien Lebensmitteln. Auf ihrem Blog Glutenplan geht es um gesundes, glutenfreies Essen, was nicht lange zubereitet werden muss. Schließlich hat sie selbst ja auch nicht jeden Tag Zeit stundenlang in der Küche zu stehen – und ihren Lesern geht es genauso. Was ihren Blog sonst noch so besonders macht und was sich hinter dem Namen „Glutenplan“ verbirgt, verrät sie uns im Interview.

1. Liebe Laura, was macht deinen Blog besonders? Erzähle uns in zwei/drei Sätzen worum es bei deinem Blog geht und was dir wichtig ist.

Glutenplan ist eine Plattform mit glutenfreien Gerichten, die man ganz einfach, schnell und unkompliziert nachkochen kann. Um Euch die Planerei abzunehmen, habe ich einen zweiwöchigen Essensplan erstellt, den man ideal als Vorlage für eine ausgewogene (ich gebe zu, im Hinblick auf die Snacks auch etwas schokolastige Ernährung) nehmen kann. Auf der Seite findest du auch meinen Blog, in dem ich von meinen Erfahrungen und Erlebnissen rund um glutenfreie Ernährung berichte.

2. Gib uns einen kleinen Einblick in die Geschichte deiner Zöliakie. Wie wurde sie entdeckt, wie ging es dir damit? Wie hast du die Anfangszeit empfunden?

Bis bei mir Zöliakie diagnostiziert wurde, dauerte es ein paar Jahre. Während meiner Schulzeit litt ich an Migräne. Die war meist so schlimm, dass ich mehrere Tage im Monat zu nichts Anderem in der Lage war außer in einem verdunkelten Zimmer mit den Schmerzen zu kämpfen. Die Ärzte grübelten und rätselten fast mehr als 5 Jahre. Sie untersuchten die Blutwerte und verschrieben mir aufgrund der niedrigen Hämoglobinwerte Eisenkuren. Ich ging auch zur Akupunktur doch nichts half. Von den Schmerzen der Migräne etwas abgehärtet verspürte ich oftmals dieses unbehagliche Völlegefühl und Übelkeit, wenn ich am Wochenende mit den Mädels feiern ging und wir ein Bier tranken. Ich versuchte Erklärungen wie, “wahrscheinlich habe ich auf leeren Magen getrunken” oder ähnliches zu finden. 

Bis mein Hausarzt mich endlich zum Gastroentologen überwies, dauerte es eine Weile. Doch diesmal lag er richtig. In dem Moment als er mir sagte:” Sie haben Sprue bzw. Zöliakie.”, gelang es mir nicht mich dieser Aussage konform zu verhalten. “Ist das gut oder schlecht?”, schoss es mir durch den Kopf. Kurz gesagt - Ich hatte keinen Plan, was ich habe, aber ich hatte endlich eine Diagnose. Das war schon mal ein Anfang. 

Sich glutenfrei zu ernähren war kein Kinderspiel. Besonders dann nicht, wenn die ganze Familie Gluten liebt. Kontaminations-Pannen gab es am Anfang ständig, denn wenn du nicht nur dein Leben, sondern auch das der Anderen umkrempeln musst, ist das schon ein längerer Prozess.

Was mir jedoch am schwersten fiel, war und ist bis zum heutigen Tag das Essen bei Freunden und Familie. Besonders bei Menschen, die dir nicht so nah stehen wie meine engsten Freude. Mir ist es immer wieder unangenehm die Gastgeber sprichwörtlich “auszuquetschen” welche Zutaten sie verwendet haben, oder ob sie was dagegen haben, wenn ich mir die Zutatenlisten ihrer schon längst im Müll gelandeten Zutaten anschaue.

3. Wieso hast du angefangen (über das Thema Glutenunverträglichkeit) zu bloggen? Gab es einen Auslöser?

Auslöser für Glutenplan.de ist vor allem die Liebe zum Essen. Auch wenn der Alltagsstress einem nur dieses kleine Zeitfenster “Mittagspause” gibt, wollte ich nie darauf verzichten mich gesund und ausgewogen zu ernähren. Jedoch stand neben den beiden Faktoren auch die schnelle Zubereitung dieser Gerichte im Vordergrund. Da ich wahrscheinlich nicht die Einzige bin, die dieses Problem hat, wollte ich diese leckeren Rezepte auch mit anderen teilen. Es gab für mich immer mal Tage, an denen ich einfach keinen Plan hatte, was ich kochen soll. Daher soll Glutenplan nicht nur für die Besucher, sondern auch für mich einfach eine Inspirationsplattform darstellen. Wenn man einfach mal zu müde für Ideen für den nächsten Tag ist, schaut man vorbei und schon ist einem dieses To-Do auch schon genommen.

Auswärts essen gehen ist als Zöliakie immer noch kein Kinderspiel, daher steht bei den meisten eine selbstgemachte Mahlzeit immer noch ganz oben auf der Speisekarte. 

4. Wie hat sich dein Leben mit der Zöliakie verändert? (positiv/negativ) Was hast du durch die Unverträglichkeit gelernt?

Mein Leben hat sich im Hinblick auf meine Ernährungsumstellung nicht großartig verändert. Ich habe mich seit der Diagnose mehr mit meiner Ernährung beschäftigt, was zwangsläufig passiert, wenn man sich die Zutatenlisten sehr genau durchlesen muss. Ich lebe mit der Zöliakie definitiv bewusster und gesünder, als vor der Diagnose. Was aber oftmals vorkommt, wenn ich beispielsweise auswärts essen gehe, ist das leider noch immer fehlende Bewusstsein in der Gastronomie. Mit dem “Trend” sich glutunfrei zu ernähren, sind manche Gastronomen überfordert, bzw. noch schlimmer - sie nehmen es nicht so streng. Das bedeutet wiederum, dass ich mir nie wirklich sicher sein kann, ob das Gericht tatsächlich nicht kontaminiert wurde.

5. Was war die schönste Situation, die du in Zusammenhang mit deinem Blog bisher erlebt hast? Und hast du jemals mit Kritik kämpfen müssen?

Die schönste Situation im Hinblick auf meine Arbeit als Bloggerin, war vor allem der Release meiner Kochbücher. Mein Glutenplan Weihnachtskochbuch, das ich an meine Newsletter-Abonnenten verschenkt habe, ist wunderbar angekommen. Die Leser haben mir tolles Feedback gegeben, das mich bestärkt hat weiter zu schreiben. Dafür war ich unglaublich dankbar. Kritik habe ich bisher keine erfahren. 

6. Stell dir vor du begegnest deinem jüngeren Ich auf der Straße. Welchen Ratschlag würdest du dir selbst geben, welchen Tipp hättest du gerne früher gehabt?

Würde ich meinem jüngeren Ich begegnen, würde ich ihr sagen, dass alles halb so wild ist. Es gibt schlimmeres als eine Glutenintoleranz. Immer einen glutenfreien Riegel oder anderen Proviant in der Tasche zu haben ist auf jeden Fall ein heißer Tipp.

Gib dir Zeit. Am Anfang war das Lesen der Zutatenlisten eine Qual. Ein Einkauf hat ewig gedauert. Mittlerweile weiß ich welche Dinge ich essen darf und welche nie in meinem Einkaufskorb landen werden. Aber das alles braucht seine Zeit. Es ist ein Prozess, den man nicht beschleunigen kann. Jedoch war der Austausch in Foren und auf Facebook ein wichtiger Bestandteil dieses Wachsens. Es hat gutgetan und tut es immer noch sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und über seine Erfahrungen zu berichten. Das hätte ich schon viel früher tun sollen.

Wir danken dir, liebe Laura, für das spannende Interview und wünschen dir und deinem Blog für die Zukunft alles Gute!


Kommentare:
Ich freue mich über ein paar Worte von Dir.
Von Deinen Kommentaren lebt unser Portal!

Pflichtfelder sind mit * markiert.

Bitte gebe den Sicherheitscode in das nachfolgende Textfeld ein.
Bewertungen lesen, schreiben und diskutieren... mehr
Ich freue mich über ein paar Worte von Dir.
Von Deinen Kommentaren lebt unser Portal!

Pflichtfelder sind mit * markiert.

Bitte gebe den Sicherheitscode in das nachfolgende Textfeld ein.
Zuletzt angesehen