"Durch die Unverträglichkeiten habe ich viel an Stärke gewonnen" - Fabienne Sophie Engel
von Jana

Durch die Unverträglichkeiten habe ich viel an Stärke und Selbstvertrauen gewonnen – Interview mit Fabienne Sophie Engel

Navileo – Blogger-Interview zum Thema Unverträglichkeiten mit Fabienne Sophie Engel von... mehr
""Durch die Unverträglichkeiten habe ich viel an Stärke gewonnen" - Fabienne Sophie Engel"

Navileo – Blogger-Interview zum Thema Unverträglichkeiten mit Fabienne Sophie Engel von Freiknuspern

Wie lassen sich Esslust und Unverträglichkeiten unter einen Hut bringen? Vor genau der Herausforderung stand auch Fabienne, als bei ihr vor vier Jahren allergisches Asthma diagnostiziert wurde und sie deshalb auf viele Lebensmittel – unter anderem Gluten, Laktose und Sellerie – verzichten musste. Nach einer Weile setzte dann ihr Kampfgeist ein und sie dachte sich „Das muss auch anders gehen“. Wie, das verrät sie seit Oktober 2015 anderen Betroffenen auf ihrem Blog Freiknuspern. 

Wie sie die schwierige Anfangszeit und die ganzen Provokationstests überstanden hat und welche leckeren Gerichte und Rezepte sie auf ihrem Weg seitdem entdeckt hat, verrät sie uns heute im Interview.

1.Fabienne, was genau macht deinen Blog besonders? Erzähle uns doch kurz worum es bei deinem Blog geht und was dir wichtig ist.

Mir ist es sehr wichtig zu vermitteln, dass man auch mit Unverträglichkeiten und Allergien lecker schlemmen kann und nicht zwangsläufig auf liebgewonnene Gerichte verzichten muss. Ich habe schon immer leidenschaftlich gerne gegessen, das hat sich mit meinen Unverträglichkeiten keinesfalls geändert. 

Als Food-Fotografin lege ich natürlich auch einen besonderen Wert auf eine ansprechende Bildsprache. Besonders beim Thema „frei von“ empfinde ich es als sehr wichtig, dass die Bilder den Genuss und die Vielfalt der Rezepte unterstreichen.  

2. Gib uns einen kleinen Einblick in die Geschichte deinen Unverträglichkeiten. Wie wurde sie entdeckt, wie ging es dir damit? Wie hast du die Anfangszeit empfunden?

Vor etwas mehr als 4 Jahren sind die ersten Symptome aufgetaucht. Stets nach dem Essen. Es beging mit dem (für Asthma typischen) Giemen, also akuten Atemgeräuschen. Dazu kamen Hautausschläge, die Lippen schwollen an oder ich bekam Flecken auf der Zunge, die stark gebrannt haben. Meist folgte auch ein Kribbeln im Mund. Und kurze Zeit später kam der erste richtige Asthma-Anfall. Die Symptome traten von heute auf morgen auf. 

Zwischen dem ersten Giemen und dem ersten Asthma-Anfall lagen wenige Wochen, ich hatte bis dahin nicht einmal die Zeit gefunden einen darauf spezialisierten Arzt aufzusuchen. Mein Hausarzt hat mich daraufhin als Notfall zum Lungenfacharzt überwiesen. Dort stand nach den ersten Tests bereits die Diagnose allergisches Asthma fest. Nur worauf ich nun überhaupt allergisch bin, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. 

Damit fing eine monatelange Suche nach der Nadel im Heuhafen an. Es wurden zwar etliche Allergietests durchgeführt, aber auf die Ergebnisse konnte und wollte ich mich nicht einfach verlassen. Bevor ich ein Lebensmittel wirklich auf die Allergie-Liste setze, wollte ich es genau wissen. Also habe ich (immer mit ärztlicher Begleitung und im Beisein meiner Mutter) Lebensmittel provokativ getestet und auf eine Reaktion gewartet. Diese Provokationstests haben sich über mehrere Monate erstreckt. Jedes Lebensmittel habe ich mindestens 3 Mal getestet, um zu sehen ob jeweils andere Reaktionen auftreten. 

Im Zuge dessen habe ich ein ausführliches Ernährungstagebuch geführt, um die allergischen Reaktionen besser nachvollziehen zu können. Nach fast einem Jahr hatte ich einen guten Überblick über meine Allergien. Bis zu diesem Ergebnis war es ein langer Weg, der mitunter sehr steinig war. Die Provokationstests waren natürlich alles andere als angenehm. Denn irgendwann wurde ich natürlich unsicher, es hätte ja bei jedem Essen zu einem Asthma-Anfall kommen können. 

Doch mit der wachsenden Erfahrung und dem immer genaueren Bild meiner Allergien wurde auch ich sicherer. Ich wusste ungefähr, welche Reaktionen ich zu erwarten habe und wie ich mich im Ernstfall verhalte. Dafür habe ich Asthma- und Allergieschulungen bei meinem Lungenfacharzt belegt, um mehr über gute Atemtechniken und Verhaltensweisen im Ernstfall zu lernen.  

3. Wieso hast du angefangen (über das Thema Unverträglichkeiten) zu bloggen? Gab es einen Auslöser?

Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, hatte ich bereits 3 Jahre allergisches Asthma und kannte meine Allergien. Trotzdem war ich nicht beschwerdefrei und habe weiterhin Allergietests durchgeführt. Nach einigen Untersuchungen wurde mir dann bestätigt, dass ich neben meinen Allergien auch eine Gluten- und Laktoseunverträglichkeit habe. 

Dieses Ergebnis hat alle bisherigen Ernährungspläne noch einmal völlig durcheinandergebracht. Ich musste mich noch intensiver mit meiner Ernährung befassen. Während meiner Recherche und der Umstellung auf glutenfrei und laktosefrei, war ich mitunter sehr verzweifelt, weil meine alten Rezepte nicht einfach 1:1 in „frei von“ umgewandelt werden konnten. Ich musste also alle Rezepte neu entwickeln. 

Dadurch habe ich mich immer mehr mit dem Thema auseinandergesetzt und gemerkt, dass es viele weitere Betroffene mit den gleichen Problemen gibt. Nachdem ich mich über Social Media mit einigen anderen Betroffenen ausgetauscht und immer wieder nach Rezepten gefragt wurde, habe ich beschlossen den Blog zu gründen und meine Rezepte und Erfahrungen mit anderen zu teilen. 

4. Wie hat sich dein Leben mit den Unverträglichkeiten verändert? (positiv/negativ) Was hast du durch die Unverträglichkeit gelernt?

Mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen, dass ich (fast) nur positives in meinen Unverträglichkeiten und Allergien sehe. Denn ich habe gemerkt, dass es mir ohne die betreffenden Lebensmittel bessergeht. Ich habe kaum noch Beschwerden, habe viel über mich und meinen Körper gelernt und fühle mich einfach wieder gesund! Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man abwägt: Will man sich gesund, normal und fit fühlen oder will man gewohnt weiter an seiner alten Ernährung festhalten und die Beschwerden und Risiken in Kauf nehmen. Ich habe mich für den Weg entschieden, der mir und meinem Körper gutgetan hat. Durch den Blog sind bereits wunderbare Freundschaften entstanden, es haben inspirierende Gespräche stattgefunden und wir haben tolle Tipps gesammelt. 

Trotzdem ist solch eine „frei von“ Ernährung auch für mich nicht immer leicht. Auch ich habe Momente ich denen ich gerne einfach alles essen würde, wonach mir gerade der Sinn steht. Diese Momente sind, denke ich, völlig normal. Jeder hat schließlich mal einen schlechten Tag. Der einzige Punkt, der mir noch regelmäßig Sorgen bereitet ist das Thema auswärts essen! Hier stoße ich noch oft auf Unverständnis und vor allem Unwissenheit. Ich hoffe, dass sich dieses Problem in den nächsten Jahren ändern wird. Es gibt bereits einige ganz tolle Restaurants, Hotels, Bäckereien und Cafés, die sich den Allergikern angenommen und sich nur auf sie fokussiert haben. Es geht also in die richtige Richtung um auch diese letzte Hürde zu meistern! 

Durch die Unverträglichkeiten habe ich viel an Stärke und Selbstvertrauen gewonnen. Denn ich war und bin oft in Situationen, in denen ich für mich und meine Unverträglichkeiten einstehen muss. Sei es dem Kellner zu erklären, dass Sellerie nicht nur ein Gemüse ist, sondern auch in Gewürzen im Gericht vorkommen kann. Sei es immer wieder die Frage zu beantworten „Was isst du denn eigentlich, wenn du all diese Dinge nicht essen kannst?“. Oder sei es auch einfach bei einer Geburtstagsparty anzubieten eigenes Essen mitzubringen. Es gibt viele Situationen, in denen ich mich für die Unverträglichkeiten erklären oder gar rechtfertigen muss. Mittlerweile kann ich damit aber ganz gut umgehen!

5. Was war die schönste Situation, die du in Zusammenhang mit deinem Blog bisher erlebt hast? Und hast du jemals mit Kritik kämpfen müssen?

Bisher habe ich so gut wie kein negatives Feedback zu meinem Blog bekommen. Ganz im Gegenteil. Täglich erreichen mich Nachrichten, Mails oder Kommentare von anderen Betroffenen, die begeistert meine Rezepte nachmachen oder durch Empfehlungen auf meinem Blog neue Produkte kennenlernen konnten. Ich tausche mich sehr gerne mit meinen Lesern aus, jeder hat Tipps, die für den anderen nützlich sein können. 

Für mich sind die schönsten Situationen, die der Blog mir bietet, das freundliche Feedback meiner Leser. Zu merken, dass ich mit meinen Rezepten anderen eine riesen Freude bereiten kann, ist etwas ganz Wundervolles. Das war von Anfang an eins meiner Ziele mit dem Blog: Aufzuzeigen, dass man auch mit Unverträglichkeiten lecker schlemmen kann und nicht zwangsläufig auf liebgewonnene Gerichte verzichten muss. Daher freue ich mich besonders über Nachrichten von Lesern, denen ich mit meinen Tipps, Empfehlungen oder Rezepten ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihren Tag ein bisschen erleichtern konnte! 

6. Stell dir vor du begegnest deinem jüngeren Ich auf der Straße. Welchen Ratschlag würdest du dir selbst geben, welchen Tipp hättest du gerne früher gehabt?

Ich würde meinem jüngeren Ich die Angst vor Asthma-Anfällen nehmen und mir selbst erklären, wie ich in der Situation einer Asthma-Attacke zu handeln habe. Als Tipp würde ich mir den offenen Umgang mit dem Thema „frei von“ – Ernährung geben. Wenn man darüber redet und sich mit anderen Betroffenen austauscht, kann das für einen selbst sehr hilfreich sein. 

Wir danken dir, liebe Fabienne, für den spannenden Einblick und wünschen dir, dass du weiterhin so viele Leser mit deinem Blog inspirieren kannst. Und wenn euch das Interview gefallen hat, schaut unbedingt auf Freiknuspern vorbei!


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